Wie kam es zu TheaterFlucht?

Seinen Anfang nimmt das Projekt in Zürich. Im Sommer 2009 wurde TheaterFlucht erstmals vom SCI (Service Civil International) Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Jugendkulturhaus Dynamo für zwei Wochen in den Ferien durchgeführt. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem und Resonanzen auf das Pilotprojekt in Zürich wurde TheaterFlucht mittlerweile auf weitere Städte und Regionen in der Schweiz ausgeweitet.

Im Sommer 2013 fand TheaterFlucht zum ersten Mal in Wien statt. 2016 geht das Projekt in der Hauptstadt nun bereits in die vierte Runde und soll zusätzlich nach Graz geholt werden. Zudem arbeitet das Team daran, TheaterFlucht auch in Luxemburg und Südtirol umzusetzen, womit das Projekt dann in vier Ländern vertreten wäre. Auch arbeitet das Team gerade daran, das Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit ganzjährig anbieten zu können.

In Konzeption und Durchführung unterscheidet sich TheaterFlucht Österreich teilweise von den Projekten in der Schweiz. Gemeinsam ist allen TheaterFlucht Projekten die Grundidee und das Ziel: einen Rahmen zu schaffen, welcher es Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft ermöglicht, sich abseits gängiger institutioneller Rahmenbedingungen kennen zu lernen und im kreativen Spiel gegenseitige Vorurteile, ebenso wie sprachliche Barrieren abzubauen und damit Integration zu fördern.


Warum ein solches Projekt?

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller)

Kindern und Jugendlichen, insbesondere Mädchen und jungen Frauen, die mit ihrer Familie oder aber alleine vor Krieg, Armut und Not flüchten mussten, wird selten gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. Dabei leiden sie oftmals besonders unter den Folgen der Flucht und den veränderten Lebensumständen.

Spielerische und kreative Möglichkeiten, welche es vermögen, Freiraum zu schaffen und so die Alltagsrealität für Augenblicke zu vergessen, sind für diese jungen Menschen daher von großer Bedeutung. Freizeitaktivitäten, besonders in den Sommermonaten, sind Eltern und Kindern im Asylverfahren allerdings selten bekannt oder aber aus strukturellen Gründen nicht zugänglich.

Zudem fehlen außerschulische Räume, in denen junge Menschen im Asylverfahren mit österreichischen Kindern zusammen kommen können. Diese Lücke ist ein Hindernis für Integration und das Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften. Denn nur dort, wo sich Menschen begegnen, können Vorurteile abgebaut und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden. Hier sind Projekte wie TheaterFlucht gefragt, die den Zugang zu Freizeit– und Bildungsangeboten für alle öffnen und Menschen zusammenbringen, die ansonsten aneinander vorbei leben.


Sprache(n). Ohne sie keine Verständigung.

Bei TheaterFlucht kommen junge Menschen, die noch kein oder kaum Deutsch sprechen, mit jenen zusammen, für die Deutsch die Erst- oder Zweitsprache darstellt.

Sprache/n ist/sind ein wichtiger Teil des Projektes. Zum Einen haben junge Menschen mit keinen oder kaum Deutschkenntnissen die Möglichkeit, Deutsch auf kreative Weise zu erlernen sowie zusammen mit anderen zu erproben. In den Theater– und Tanzeinheiten wird lustvoll mit Sprache gespielt, wobei alle Sprachen, die die jungen Menschen sprechen, einbezogen werden sollen. So können die Kinder mit Erstsprache Deutsch von den vielen anderen gesprochenen Sprachen profitieren und sich Wörter und Sätze in diesen aneignen. Auch können Kinder, für die Deutsch die Zweitsprache darstellt, ihre Kenntnisse im Deutschen verfeinern und verbessern.

Wichtig ist dem Team, den jungen Menschen zu vermitteln, dass jede Sprache, die im Raum beherrscht wird, bedeutend ist. Und eine Sprache die besonders für Tanz und Theater spielen benötigt wird, sprechen ohnehin bereits alle: die Körpersprache. Diese kann und muss natürlich als Ausgangspunkt und gemeinsame Basis genutzt werden: Beim Tanzen und Theater spielen werden die Möglichkeiten nonverbalen Kommunikation aufgezeigt. So leistet das Projekt auch einen Beitrag zu Mehrsprachigkeit, welche in heutigen pluralistischen Gesellschaften von grundlegender Bedeutung ist.